Lernen durch Zuhören: Das Projekt AI-ASSISTANTS 4PID schließt seine gemeinschaftlichen Aktivitäten mit Menschen mit geistigen Behinderungen ab

Das Projekt AI-ASSISTANTS 4PID hat einen wichtigen Meilenstein erreicht und die Phase der gemeinsamen Aktivitäten abgeschlossen, die seinen Entwicklungspfad einleitet. Das Projekt, das von dem Erasmus+-Programm (Projektnummer: 2025-1-DE02-KA220-ADU-000360510) gemeinsam mitfinanziert und von IAT (Deutschland) koordiniert wird, bringt acht Partner aus sechs europäischen Ländern – Deutschland, Italien, Portugal, Spanien, Belgien und Kroatien – zusammen, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen: die Nutzung von KI-gestützten Lösungen zur Förderung der Selbstständigkeit von Menschen mit geistigen Behinderungen (MIB).

Die Phase der kollaborativen Maßnahmen stellte die Nutzer in den Mittelpunkt des Gestaltungsprozesses. Im Rahmen der sechs teilnehmenden Länder wurden insgesamt 97 Teilnehmer eingebunden: 58 Personen mit geistigen Behinderungen und 39 Betreuer. Durch geführte Sitzungen untersuchten die Partner, wie die Teilnehmer KI-Tools in realen Situationen nutzen, erleben und bewerten. Die daraus resultierende Evidenz dient nun als Fahrplan für die nächsten Phasen des Projekts – die Entwicklung inklusiver KI-Schulungsmethoden sowie die Erstellung von zugänglichen Werkzeugen, die auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnitten sind.

 

Eine Diskrepanz zwischen Vertrauen und Nutzen, die durch Schulungen angegangen werden muss.

Eine der stärksten Erkenntnisse bezieht sich auf die Beziehung zwischen wahrgenommenem Nutzen und Selbstvertrauen. Teilnehmer mit intellektuellen Beeinträchtigungen erkannten schnell die praktischen Vorteile von KI-Tools im Alltag, beispielsweise bei der Erstellung von Nachrichten oder der Navigation in Informationen. Dennoch blieb das Vertrauen in ihre Fähigkeit, diese Tools selbstständig zu nutzen, deutlich gering.

Diese Diskrepanz zwischen Nutzen und Vertrauen ist ein wichtiger Erkenntnis: Die Demonstration von KI-Fähigkeiten allein reicht nicht aus. Menschen mit geistigen Behinderungen benötigen strukturierte, geführte Schulungspfade, die schrittweise Kompetenz aufbauen, anstatt nur passiver Technologieaussetzung. Für AI-ASSISTANTS 4PID bedeutet dies eine klare Ausrichtung: Die Schulung muss so gestaltet sein, dass sie diese Diskrepanz schließt, und nicht nur dazu dient, zu zeigen, was KI leisten kann.

KI-basierte Zielsetzung im persönlichen Bereich

Ein zweiter klarer Zusammenhang zeigte sich im Bereich der Motivation. Aktivitäten, die reale, alltägliche Situationen widerspiegelten, führten zu dem höchsten Grad an Beteiligung. Beispielsweise war eine Übung zum Schreiben von Nachrichten deutlich motivierender als technische Schulungen, die darauf abzielten, KI-Funktionen abstrakt zu demonstrieren.

Diese Erkenntnis bestätigt einen Grundsatz, der sowohl die Forschung im Bereich der Erwachsenenbildung als auch die Forschung im Bereich der Behinderung betrifft: Lernen ist am effektivsten, wenn es auf persönliche Ziele und den eigenen Lebensalltag ausgerichtet ist. Für dieses Projekt bedeutet dies eine klare pädagogische Ausrichtung – Schulungsszenarien sollten sich an den täglichen Zielen der Teilnehmer orientieren, von sozialer Kommunikation über die Organisation des Alltags bis hin zur Inanspruchnahme von Dienstleistungen, anstatt auf abstrakte technologische Merkmale zu setzen.

Unterstützende Fachkräfte als gleichberechtigte Lernpartner, nicht nur als Beobachter

Die gemeinsamen Maßnahmen bestätigten auch die entscheidende Rolle, die Unterstützungsmitarbeiter spielen. Ihre Kompetenz, ihr Selbstvertrauen und ihre Einstellung zu KI beeinflussen direkt, ob und wie Menschen mit geistigen Behinderungen die Technologie in realen Situationen nutzen. Eine Schulungsmethode, die sich nur auf die Endnutzer konzentriert, riskiert, an der Akzeptanz festzuhalten, da die tatsächliche Nutzung von dem umliegenden Unterstützungsnetz abhängt.

Das Projekt sieht daher die Ausbildung als ein zweigleisiges Unterfangen: Die Mitarbeiter müssen nicht nur dazu in der Lage sein, zu überwachen, sondern auch gemeinsam mit den Personen, denen sie assistieren, zu lernen – wodurch gemeinsame Kompetenzen und eine gemeinsame Sprache im Bereich KI aufgebaut werden. Dieser zweigleisige Ansatz ist einer der methodologischen Merkmale, die die nächste Entwicklungsphase prägen werden.

Barrierefreiheit von Anfang an berücksichtigen

Ein weiterer Aspekt betrifft die Gestaltung der KI-Tools selbst. Die Teilnehmer betonten wiederholt eine Reihe von unverzichtbaren Designanforderungen: einfache, übersichtliche Benutzeroberflächen; klare, schrittweise Anweisungen; vorhersagbare Interaktionsmuster und robuste Datenschutzmaßnahmen.

Dies sind keine stilistischen Präferenzen, sondern grundlegende Anforderungen an die Zugänglichkeit. Sie bestätigen, was die von Menschen mit Behinderungen geführte Gestaltung schon lange betont hat – die Zugänglichkeit muss in der Grundlage des Produkts verankert sein, nicht als nachträglicher Zusatz. Für AI-ASSISTANTS 4PID bedeutet dies, dass die Werkzeuge und Ressourcen des Projekts von Anfang an unter diesen Prinzipien gemeinsam entwickelt werden sollen, wobei die Zielgruppe kontinuierlich an iterativen Feedback-Prozessen beteiligt wird.

Ausblick

Mit dieser Grundlage können die Forscher nun mit der nächsten Phase ihrer Arbeit beginnen: Sie werden die Ergebnisse in eine Schulungsmethode und einen Satz von KI-gestützten Werkzeugen umwandeln, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit geistigen Behinderungen und den Fachkräften zugeschnitten sind, die diese unterstützen.

Die gemeinschaftlichen Maßnahmen haben nicht nur Daten geliefert – sie haben auch einen klaren methodischen Rahmen für das, was danach kommt, geschaffen: Schulungen, die Selbstvertrauen aufbauen und keine bloße Einführung darstellen; Werkzeuge, die auf reale Ziele ausgerichtet sind; und eine Designkultur, die Barrierefreiheit als Ausgangspunkt betrachtet.

 

Haftungsausschluss

*AI-ASSISTANTS 4PID wird von der Europäischen Union im Rahmen des Erasmus+-Programms (KA220-ADU) gemeinsam finanziert. Das Konsortium umfasst IAT (Deutschland, Koordinator), AIAS Bologna (Italien), CECD Mira Sintra (Portugal), INESC-ID (Portugal), Universitat Politècnica de València (Spanien), Fundación Amica (Spanien), ARFIE (Belgien) und HURT (Kroatien). Weitere Informationen sind auf ai4pid.eu verfügbar.

Die in diesem Dokument geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autoren und spiegeln nicht unbedingt die der Europäischen Union oder der Europäischen Agentur für Bildung und Kultur (EACEA) wider. Die Europäische Union oder EACEA können sich nicht für diese verantwortlich machen.